Die Männer in meinem Leben

Männer sind ein Fall für sich. Man kann nicht mit ihnen, aber schon gar nicht ohne sie. Aber bisher habe ich noch keinen gefunden, der hält was er verspricht.

Der erste Mann in meinem Leben war mein Vater. Mein Vater ist Super-Mann, denn er hat alles getan, was Väter eben so tun. Väter nehmen ihre Töchter in den Arm wenn sie gestürzt sind, ziehen fiese Pflaster ab damit es nicht weh tut, Versuchen Vanillepudding zu kochen wenn sonst nichts mehr hilft, spielen mti Puppen und retten auch sonst so die ganze Welt. Meistens sind Väter die ersten Männer die man als Mädchen heiraten will. Zumindest wollte ich im Alter von 3 Jahren meinen Vater heiraten. Väter sind Helden und verschaffen allen anderen Männern erst mal ein positives Image.

An den Kindergarten kann ich mich nicht mehr zur Genüge erinnern. Da gab es zwar Jungs, aber die waren blöd. Die haben einen diese Kletten in die langen Haare geschmissen die sich dort verhakt haben und nur ganz fisselig wieder raus gingen und furchtbar geziept haben. Und Vater-Mutter-Kind wollten sie auch nie spielen. Dafür machten sie viel Lärm, stiefelten rücksichtslos durch das “Himmel und Hölle” Spielfeld und rammten sich gegenseitig mit den Bobbycars.

In der Grundschule hatte ich dann das erste mal so etwas wie einen Schmetterling im Bauch. Ich fand Christoph ganz toll, weil ich ihn cool fand. Aber wie das so ist mit zarten 6 Jahren ist die Liebe noch ein großes Buch mit 7 Siegeln und meine angewandte Annäherungsmethode war eher wenig praktikabel. Ich versuche es mit “Beleidigung”. Aufmerksamkeit bekam ich, aber er verpasste mir glaube ich nur kein blaues Auge, weil unsere Eltern und noch erklärten, dass man Mädchen nicht schlägt.

In der vierten Klasse hatte ich dann das was man als erste Liebe bezeichnet, auch wenn ich mir das “groß” sparen möchte. Ricardo war groß, rothaarig, trug immer viel zu große Nike-Basketball-Shirts und fand Scooter cool. Demnach mochte ich Scooter, die NBA und vor allem Michael Jordan. Es fing alles sehr typisch an. Ich hatte ein Tagebuch in das ich jeden Tag seinen Namen schrieb und viele Herzen darum und Liebesbriefe einklebte, die ich an ihn geschrieben und mit Herzen-Stickern verziert hatte, aber zu feige war sie ihm zu geben. Ich schrieb so Dinge wie “ich liebe dich weil du so cool bist und so richtig coole Freunde hast”. Ich hörte das einzige Scooter-Lied das ich hatte (How much is the fish) bis ich es auswendig konnte, um Rico zu imponieren und versuche einen Basketball zwischen meinen Beinen hindurch zu tribbeln. Zusammen kamen wir auf der Schulfreizeit bei der es eine Disco mit “Mädchen suchen Jungs zum Tanzen aus” gab. Ratet mal auf wen meine Wahl viel und wer dann prompt auch noch tatsächlich mit mir Tanzen wollte. Diese Beziehung hielt unsagbare 4 Monate. Nämlich das restliche Schuljahr. Wir hielten Händchen und meine Eltern verpassten mir das obligatorische “Wie wird man schwanger”-Gespräch, ehe ich bei ihm übernachten durfte. Wir aßen Popcorn und erzählten seinen Eltern wir würden Space Jam schauen während er sich Juckie von seinem Vater stibitzt hatte und ich versuchte den gesamtem Film über versuchte keine furchtbare Angst zu haben im Gedanken an die Puppen die noch bei mir zuhause rumlagen. Die Beziehung endete abrupt als er mit Straßenkreide an das örtliche Bowlingcenter “I LOVE JENNY” schrieb bei dem wir jeden Freitag Abend rumgammelten während unsere Eltern bowlten. Jenny war damals meine beste Freundin. Aber nicht mehr lange. Versteht sich. Meinen ersten Liebeskummer ertränkte ich in “My heart will go on” in einer Lautstärke die wirklich abartig war, weshalb ich heute noch würgen muss, wenn ich das Lied höre. Ab dem Zeitpunkt fand ich Männer gar nicht mehr so liebenswert.

Der dritte Mann in meinem Leben war Daniel. Er war das was ich meine erste große Liebe nenne. Ich habe schon hin und wieder von ihm in meinen “Jugendjahren” geschrieben. Wir waren knapp 7Jahre zusammen, mit kleiner Unterbrechung. Mit ihm hatte ich meinen ersten Kuss, mein erstes Mal und eben all das was so zu einer ersten großen Liebe gehört. Wir hatten wundervolle Urlaube, feierten Weihnachten zusammen und stritten wie ein altes Ehepaar. Wir hatten pikante Geheimnisse und doch guten Sex. Wir hatten Höhen und Tiefen und eigentlich dachte ich, dass es nie enden würde. Kurz vor meinem 20stigen Geburtstag waren plötzlich 7 wundervolle Jahre vorbei, denn der Herr wollte sich noch die Hörner abstossen.  Er servierte mich bitter ab was mir fast ein Jahr Liebeskummer einbrachte und statt sich die Hörner abzustossen fischte er sich eine Rumänin die mir ja ach so ähnlich ist und lässt sich nun von ihr unterbuttern. Diesmal hörte ich keine Musik sonder aß. Gummibärchen, Eis und Schokolade was mir stolze 20 Kilo mehr auf die Rippen brachte, die ich noch immer mit mir rum trage. Rauf geht leider leichter als wieder runter, vor allem wenn das Essverhalten erst mal so versaut ist. BTW hat dieses Erlebnis mein Männerbild nicht zwingend verbessert. Es hat mich nur gelehrt, dass es schön sein _kann_ …

Die Unterbrechung zwischen Daniel und Daniel füllte ich damals mit Markus und Fabian. Markus war gar nicht mein Typ, schenkte mir aber viel Aufmerksamkeit was meinem Ego gut tat, aber über SMS-Schreiben ging es nie hinaus. Fabian war der verschwiegene Typ. Groß und brauen Locken und ganz vernarrt in mich. Leider aber mehr als ich in ihn, denn ich hing noch immer an Daniel und wollte eigentlich nur diesem zeigen, dass ich ihn nicht brauche. Naja funktionierte nicht sehr gut. Man sah mir auch gegen den Wind an, dass ich noch völlig vernarrt in ihn war.

Nach Daniel lerne ich online einen Chatter namens Silverthron kennen. Online eine geheimnosvolle Person die sich geschickt verkaufen konnte mit Andeutungen und Geheimnissen und kleinen Mindgames. Eine Person die mich nächtelang an den Computer fesselte, ohne das ich merkte wie die Zeit verging. Wir spielten ein Rollenspiel über Dämonen, dass ich so vermutlich nie wieder spielen werden. Er traf sehr gekonnt meine dunkelsten Phantasien und bediente die mit aller Grausamkeit. Ein wenig beängstigend war es durchaus. Wir trafen uns auch einige Male real, aber die Aura die ich online so liebte – dieses Geheimnis mit dem Hauch an Gefahr – war mir dann real doch zu unsicher. Ich fühlte mich nicht wohl und etwas entwurzelt in seiner Gegenwart. Und während ich nur ein Abenteuer suchte schien sich bei ihm Emotional mehr abzuspielen. Allefälle reagierte er sehr eifersüchtig, als ich Sebastian besuchen fuhr und brach den Kontakt ab.

Sebastian ist ein lieber Freund mit dem ich schon vor Jahren einige Fern-Abenteuer hatte an welche er sich leider besser erinnert als ich mich. Ich weiß noch von einem Telefongespräch mitten in der Nacht bei dem Sebastian mich anrief und betrunken von badischen Königshäusern referierte. Aber sonst ist es im Nebel der Vergangenheit verschwunden. Es kann ja nicht jeder so ein brilliantes Gedächtniss haben wie er. Das mit ihm war bisher nur ein ONS und dabei wird es vermutlich auch bleiben. Ich bin einfach zu monogam oder zu verklemmt um meine Bedürfnisse derart frei gedeihen zu lassen, wie er es tun kann. Und als Freund mit einem guten Weingeschmack ist er genau der richtige Mann, um mir Glühwein über meine Handtaschen zu kippen und philosophische Themen zu diskutieren. Wirklich. Aufrichtig.

Sebastian wird gefolgt von Valentin. Valentin sieht ein ganz klein wenig aus wie Jacob aus der Biss-Saga, weshalb ich ihn so toll fand. Langes dunkles Haar und dunkle Haut. Fand ich hübsch. Finde ich immernoch. Aber das war es auch schon. Wir hatten ein kurzes Techtelmechtel das nur ein paar Monate dauerte und ich froh um die erste Ausrede war es beenden zu können. Warum kann ich nicht genau beschreiben, es war eher ein Gefühl dass es nicht passt und nicht passen kann. Wirklich Festlegen wollten wir uns nicht und ich fand seine Art einfach komisch. Vielleicht etwas zu erzwungen dominant. Aber das ist etwas was ich mittlerweieln zur genüge kenne. Männer scheinen vor mir zurückzuschrecken, weil ich nicht sofort bedingungslos auf die Knie falle. Oder ich sehe mich im falschen Altersbereich um.

Wie dem auch sei. Nach Valentin war erst einmal Ruhe im Sack. Ein paar Flirts online reichten mir völlig aus und mittlerweilen war ich auch der Ansicht zu sehr “versingelt” zu sein. Ich hatte gar keine wirkliche Lust mehr Kompromisse einzugehen und für einen zweiten Menschen in meinem Leben Platz zu machen. Nur hin und wieder, wenn ich mal wieder eine sehr bdsmige Phase hatte oder besonders kuschelbedürftig war, sehnte ich mich nach einem Mann an meiner Seite.

 Zuletzt war da noch Daniel. Wir hatten viele Abende recht tiefgründig gechattet und eher harmlose Spielereien betrieben mit denen ich versuchte meine neuerlich erwachte Sehnsucht nach einem Partner zu stillen. Leider war es keine gute Entscheidung. Mein Kopf sagte von anfangan “nein” und es waren auch viel zu viele Steine im Weg: eine unterschiedliche Auffassung von Liebe, Leben und BDSM, eine große Räumliche Distanz und abweichende Ansprüche.

Irgendwann im Laufe des späten Sommers diesen Jahres, kam ich dann zu der Einsicht, dass meine Taten irgendwie immer verzweifelter wurden wenn ich mal wieder nähebedürftig war. Demnach schnitze ich lieber weiter Kerben in mein Bett und lasse die Männer vorerst Männer sein. Zwar wird der “Richtige” vermutlich kaum an mein Fenster klopfen, aber aktiv suchen gebe ich auf. Der nächste Mann der mir vorerst ins Haus kommt bettelt artig, damit ich ihm die Güte erweise ihn nicht verhungern zu lassen und wedelt mit dem Schwanz wenn er glücklich ist. So ein kleiner Malamut wäre ideal.

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Veröffentlicht am 3. Dezember 2011.

Kategorie: Black Garden

5 Gedanken zu “Die Männer in meinem Leben

  1. Solch ein Irrweg – und so viele ungewöhnliche, kontrastreiche Begegnungen! Ein paar durfte ich ja miterleben und … nun – ich kann nur sagen, dass ich deine Schlüsse daraus verstehe – und dass ich glaube, dass es die richtigen sind.

    Kerben schnitzen und nicht aktiv suchen – das klingt wie das Zielführendste Vorgehen das ich mir denken kann.

  2. Wie Tristan habe auch ich ja einige dieser Irrungen und Wirrungen quasi hautnah mit erlebt. Du bist eine Wirklich wundervolle Frau und ich bin sicher dich findet der Mann der zu dir passt und den du brauchst. das ganze ist wie mit Dingen die man verzweifelt sucht man findet sie nicht und wenn man nicht an sie denkt tauchen sie auf einmal auf.

  3. Ich denke auch, dass aktiv suchen nicht wirklich etwas bringt. Menschen merken, wenn du dich auf etwas versteifst und das ist ihnen unangenehm.
    Der “Richtige” (oder: einer von ihnen, denn ich glaube, dass es mehrere “Richtige” geben kann) wird dir schon noch über den Weg laufen. Ist ja auch nicht so, dass du nur zu Hause rumhockst^^.

  4. “Und als Freund mit einem guten Weingeschmack ist er genau der richtige Mann, um mir Glühwein über meine Handtaschen zu kippen und philosophische Themen zu diskutieren. Wirklich. Aufrichtig.” – Vielen herzlichen Dank für das wunderschöne Kompliment! Ich freu mich, dass du mir diesen einen kleinen Fauxpas nicht mehr übel nimmst. :)

    Liebe Grüße aus Karlsruhe,
    aZ

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