Liebes Universum, lieber Gott oder auch nur das große Unbekannte

Ich stecke im letzten Drittel meiner Erst-Semester-Prüfungen und frage mich mal wieder “wozu das alles”. Morgen schreibe ich deskriptive Statistik und habe so meine liebe Freude mit den zweidimensionalen Daten. Wenn ich nicht gerade Varianzen, Preisindizes oder arithmetische Mittel berechne hänge ich meinen “Was wenn”-Gedanken nach. Wann wenn ich das Studium abbreche/ in eine andere Stadt verlagere/ an einer Fernhochschule weiterführe oder etwas idyllischer, was wenn ich reich/ schön/ berühmt/ mächtig wäre. (Oder was wenn ich mir nicht gerade mit heißer Suppe bekleckert hätte)

Im Zuge dieser Gedanken, habe ich ein paar Erkenntnisse gewonnen (auch wenn diese fernd er Satistik liegen).

  1. Ich will Anerkennung und Bewunderung. Ich liebe es wenn Freunde und Fremde mein Tun mit ‘ah’ und ‘oh’ kommentieren. So ein bisschen wichtig, mächtig und besonders sein. Das kann doch keine Sünde sein. Als mögliche Berufe schweben mir da “Anti-Aids-Heilmittel-Finder” oder “Nahrungsknappheit-Löserin”, oder ich perfektioniere einfach mein Bastel-und Schreibtalent.
  2. Ich will Spaß an der Arbeit haben. Am liebsten 7 von 5 Tagen, aber wenn das nicht geht, dann doch wenigstens bitte 3 von 5. Das finde ich eine faire Sache. Und getreu dem Motto ‘you can get it if you really want’ habe ich mir mal überlegt, was denn 3 von 5 Tagen spaß machen würde. Babytiere kraulen/ knuddeln und flauschen, Papier und Stifte kaufen, überhaupt bunte, farbenfrohe und gemusterte Sachen kaufen, Sex, Rollenspiele und die Grenzen meiner grenzenlosen Phantasie auslotsen, Träumen, Tetris spielen, Nähen und Basteln. Wer mich für etwas davon (ausser den Sex – Image und so) dauerhaft bezahlen will, der melde sich bitte bei mir.
  3. Lieber selbst und ständig als ein ersetzbares Zahnrad in der Maschinerie eines profitgierigen Wirtschaftsriesen. Ob ein ‘Ich knuddel Ihr Tierbaby’-Service Zukunft hat?
  4. Ich will meine Arbeit anfassen können. Auf Dauer Excell-Tabellen zu verknüpfen und zu bearbeiten ist nicht sehr befriedigend. Es hat eher was von einem niemals endenden, schlechten One-Night-Stands. Und so will ich mein Leben ganz, ganz sicher nicht fristen.
  5. Ich will gut verdienen. Ich muss nicht reich sein, aber ich will Leben. Ich will nicht nach der Arbeit in die Arbeit gehen, nur um meine mikrige 2-Zimmer-Wohnung ohne Garten und Nord-Balkon zu finanzieren. Ich will hin und wieder (oder auch etwas öfter) einfach etwas kaufen, nur weil ich will, Urlaub den ich mir leisten kann und eine gesunde Rücklage, wenn die Waschmaschine ihren Dienst niederlegt.
  6. Ich will einfach Frau sein können, eine Familie haben und einen treuen, liebevollen Super-Mann. Und das gekrönt mit vielen Haustieren und einem Haus mit Garten. Gärten findet man in der Münchner Innenstadt nur selten und zwei Stunden, nur um die Arbeit zu kommen ist mir zu dumm. Leider findet man nur wenige berühmte Innenarchitektinnen in Hinterhugelhapfing. Und warum ist dieses Emanzipationsgeschisse so aus dem Ruder gelaufen? Warum muss man als Frau immernoch die 3 K’s erfüllen? Kinder, Küche, Karierre! Als Frau des 21. Jahrhunderts muss man gebildet, multitasking und immer am Puls der Zeit sein, dazu eine Super-Mom und Trendsetter. Der wahre “Mann” im Geschlechterkampf. Aber was, wenn ich das gar nicht will? Warum soll ich jeden Tag um ein Gleichgewicht kämpfen, dass seine Mitte schon verloren hat. Ich will Gleichberechtigung, aber doch kein Mann sein. Ich will Wahlrecht und das gleiche Gehalt für gleiche Arbeit (was noch immer nicht verwirklicht wurde), aber auch nicht von der ‘Emma’ gerichtet werden, weil ich lieber angeflirtet werde, als meinen “Mann” zu stehen. weil ich lieber Rosen geschenktbekomme, als eine Aufforderung zum Armdrücken und Schwanzvergleich.

Aber ehe ich mich nun in weiteren Erkenntnissen vertiefe, sagt mir meine Uhr, dass ich noch einen Blick auf mein Skript werfen sollte.

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Veröffentlicht am 27. Januar 2011.

Kategorie: Unterwegs

3 Gedanken zu “Liebes Universum, lieber Gott oder auch nur das große Unbekannte

  1. Hui, dass ich dich einmal an Gott zweifeln lese *schaut verwundert*

    Ich kenne was-wäre-wenn-Gedanken, und bei mir sind sie oft einseitig. Wenn ich etwas mehr Zeit habe, und nicht so viel Druck von außen, werden daraus dann andere Träume, die mir mein Kopf nicht nur auferlegt, damit er aus der derzeitigen Stresssituation kommt – sondern sie werden objektiver. Feine Dinge, die gerade sind, schätze ich mehr und Änderungen an der derzeitigen Situation erscheinen nicht sooo unbedingt verlockend.

    Reich – kann ich nicht beurteilen. Schön, mächtig – sehrwohl. Wie viel mehr dieser Eigenschaften möchtest du denn noch fangen, Gierige? Und berühmt… magst du doch sicher nicht unter allem, unterm Pöbel, unter einer blinden, grauen Masse sein – sondern inmitten von Menschen, die du selbst schätzt. Oder nicht?

    Ein wenig Angst vor der weiteren Perfektionierung deines Schreibtalentes könnte ich schon bekommen :) Den Spaß an der Arbeit – der ist mir so unendlich wichtig – gerade weil mir Arbeit viel Anerkennung von anderen und von mir selbst bringt. Wie ist es mit dir? Wo in der Zukunft siehst du Tätigkeiten, die angenehm sind? Was sind das für welche – vielleicht sind sie ja weniger “anfassbar”, dafür leichter zu bekommen? Selbstbestimmtheit, Kreativität und Arbeiten, bei denen du, und nur du, eine Lösung entwickelst und etwas schaffst, von dem viele Menschen zehren können, geben nicht nur Anerkennung, sondern auch ein Glücksgefühl. Finde ich!

    3 ist doch schon, wenn du der Typ dafür bist, vielleicht der richtige Schritt? Ich sollte aufhören, parallel zum Lesen schon in einem zweiten Fenster zu kommentieren, dann würde ich nicht die Peinlichkeit erleben, dass ich nach ewigem Nachdenken zu einem Schluss komme, ihn stolz präsentiere, nur um zu sehen, dass du natürlich schon längst daran dachtest. *mau*

    Statt Anfassen hilft es auch, glaube ich, wenn die Arbeit einfach praktischer wird und man Menschen sieht, die sich am Ergebnis erfreuen, davon profitieren und es bewundern.

    Gut verdienen? Das ist nur fair und verständlich.

    Ich kann die Emanzipationsgeschichte schon ein wenig verstehen, aber sah sie nie so komplex. Es kommt ja darauf an, wo man sie verwirklichen will. Bei der Arbeit? Gut. Daheim? Das sollte der Super-Mann schon leisten :) Also, mindestens, nicht wahr?

    Kann man das eigentlich ausgleichen? Jeden Tag Rosen, dafür keine Haustiere? Ich finde, oben in den Reitern sollte ein Männersteckbrief rein :)

    Kinder und Küche und Karriere sind ja nun auch gemeinsam mit dem Mann im Teamwork zu leisten. Sollten. Finde ich.

    Ich werde dir morgen ganz fest die Daumen drücken. Twitterst du wenn du durch bist? Das wäre fein :)

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