“Man kann dich mit Worten gefangennehmen, dich kontrollieren. Und schon beim kleinsten Anzeichen von Ignoranz, bzw mangelnder Aufmerksamkeit beginnst du darum zu betteln.”
Das waren gestern die Worte eines sehr lieben Menschens, der mich nun schon eine Weile durch mein Leben begleitet. Die Worte waren so treffend, dass sie mich erröten ließen und ich mich ertappt fühlt, wie ein kleines Mädchen, dass heimlich einen Finger voll Tortencreme vom Kuchen stibitzt hat.
Erotik beginnt bei mir im Kopf. Sie ist ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Komponenten. Völlig unklischeehaft spielen dabei die Tageszeit, die Lichtverhältnisse und der Ort keine entscheidende Rolle. Selbst mein Gemütszustand ist zweitrangig. Erotik beginnt im Kopf. Mit Gedanken und Phantasie. Und immer mit gut gewählten Worten.
Dabei muss es sich nicht um lang geprobte Reden handeln, ein gut gewähltes “Auf die Knie” oder “Du bist mein” kann bereits einen Funkenschauer durch den Körper jagen lassen.
Die Worte müssen klar und ehrlich sein. Ich bin ein Freund klarer Ansagen. Ein “Deine Augen leuchten wie zwei Sterne wenn du lachst. Dein Haar ist so seidig wie flüssiges Gold und deine so sinnlich geschwungenen Lippen lassen mich die ganze Zeit daran denken, wie es wäre dich zu küssen.” ist kitschig und maximal nach (zu) viel süßem Wein, bei Dinner und Kerzenschein passend.
Wer eine Idee zu schönen Worte braucht, es gibt im Forum der smjg einen Thread, in dem ich gerne stöbere.
Das Wort alleine hat aber noch keinerlei Macht, wenn es ohne Betonung daherkommen. Leise und kehlig, flüsternd und fauchend, ruhig und mit dieser gewissen Kälte in der Stimme oder das wissende Lächeln dazu.
Ein klein wenig demonstrierte Macht und Überlegenheit, um von der Kasse des Supermarktes in die schwarzen Gärten unserer Sehnsüchte zu kommen.
Aber bitte alles ohne großes Theater. Hier geht es um Erotik und nicht um die glaubwürdigste Darstellung eines vergifteten Hampelmannes. Worte wirken besonders intensiev, wenn sie besonders sind, weil sie zwischen den Betroffenen etwas bedeuten. Wenn die wahre Bedeutung nur für die Betroffenen spürbar ist. Gerne habe ich hier besitzanzeigende Wöter wie mein und dein. Worte die ganz beiläufig fallen können, und dennoch in einer BDSM-Beziehung tiefgreifende Bedeutung haben.
Worte sind ein hervorragendes Mittel um Menschen zu manipulieren und zu erregen. Ich weiß wovon ich rede, denn ich weiß, dass man auch nur von Worten getrieben zum Orgasmus kommen kann. Und ich weiß, dass ich andere damit erregen kann.
‘Leider’ gibt es für das richtige Spiel mit den Worten keine Anleitung. Ich habe etwas gegoogelt, was das Internet zu Erotik und Worten sagt.
Zwangsläufig musste ich früher oder später auf den Begriff des Dirty Talk, stossen wobei ich den Begriff nicht mag, dazu fällt mir immer diese unlustige Witz ein:
Ein Ehepaar bei den ehelichen Pflichten im Bett.
Sie: “Sag mir etwas schmutziges”
Er: “Küche:”
Und ungefähr das bedeutet Dirty Talk auch für mich. Es ist der verzweifelte Versuch von Vanillas ihr Liebesspiel ‘böser’ und ‘aufregender’ zu gestalten. Der Wikipediaartikel (und dessen Quellen) dazu ist der pixelige Beweis dafür:
Auch die möglichkeiten Dirty Talk zu betreiben, erscheinen mir steif und erzwungen. Hier eine kleine Auswahl:
- mehrdeutige Bemerkungen machen (Füll mir mein Pralinschächtelchen?)
- Sexualorgane mit Eigennamen benennen (z.B. Schmückdösen. Pralinenschächtelchen und Lustgrotte)
- einen bestimmten Akzent oder Dialekt imitieren, z. B. französisch, italienisch (ggf sehr effektives Bauchmuskeltraining)
- poetische oder fantasievolle Ausdrücke nutzen: „die Auster schlürfen“ (man erinnere sich an das Bauchmuskeltraining)
- Unanständiges, Obszönes, Vulgäres, Tiernamen (mein Meerschweinchen)
- Unmoralisches, politisch nicht Korrektes, Fäkalsprache (du Häufchen Scheiße?)
- sich Befehle geben: „Bück dich“, „Leg dich auf den Bauch!“ oder „Waffe hoch!“ (der Ansatz war ja gut, aber “Waffe hoch!”?)
- sich beschimpfen: „Schlampe“, „Luder“, „Sau“ (ist das nicht schon: politisch nicht Korrektes und Tiernamen?)
- sich erniedrigen und beleidigen als Variation von BDSM (daaaavon hat Brigitte und Elle besonders viel Erfahrung)
Worte sind mächtig. Worte können heilen und verletzen, schmeicheln und kränken, lieben und hassen und das richtige Wort im richtigen Timbre kann erregen. Die Liebe zu Wörtern ist zu individuell um eine Anleitung zu geben, aber ich bin mir recht sicher, dass es nicht falsch sein kann zu sagen was man fühlt. Was lächerlich klingen mag, wenn man drüber nachdenkt, kann erregt und im Affekt das Sahnehäubchen sein.
Nicht, dass Schweigen manchmal nicht genauso erotisch sein kann, aber kaum etwas ist unerotischer als verkrampftes Schweigen, weil man sich voller Scham nicht auszusprechen traut was man empfindet. Und wenn Vanilla-Sex so noch funktionieren mag, so lebt BDSM für mich von Worten, denn diese machen aus Schlägen ein erotisches Spiel mit Schmerzen.
*Bild von Janusz Kaliszczak
Ich glaube, so sehr ich es versuchen würde, niemals bekäme ich dich dazu, bei mir um Aufmerksamkeit zu betteln
Dennoch – die Worte sind treffend und sehr feinfühlig und ein schöner Grund für einen Beitrag.
Worte sind nämlich wichtig. *nickt ernst* Sie können alles sein, für sehr lange Zeit, alles was man braucht. Aber sie dürfen nicht leer sein, sie müssen einen Bezug zur Realität haben oder zumindest beweisen, dass jemand einen aufmerksamen Blick in unsere Seele geworfen und verstanden hat.
Dirty Talk tut das meiner Meinung nach nicht. Situationsbedingte, primitive Worte, die so generisch einfach eine Situation malen wollen – ich würde eher lachen. Aber außerhalb dieser Grenzen, mit Bedeutungen und als Vermittler von Macht sind Worte unglaublich wundervoll und betörend.
Ich liebe es, mit Worten umwoben und zu Fall gebracht zu werden – auch wenn das wahrlich nicht leicht ist. Aber – ja – vielleicht sind Worte so unglaublich wundervoll mächtig, weil die Menschen, die die Macht haben uns damit zum Erschauern zu bringen, uns nah und wichtig sind.
Nicht umsonst heißt es die Feder ist mächtiger wie ein Schwert, man muss die Worte aber auch so verstehen können wie sie vom gegenüber gemeint sind. Worte können sehr sehr mächtig sein, im richtigen Moment ausgesprochen, und dirty talk im richtigen Moment sehr erotisch.
Es kommt immer auf den Moment und die Situation an wo man ein Wort gebraucht, im einen Augenblick kann einen das Wort das einen eben noch gefangen nimmt abstoßen, oder ein Wort das einen ab stößt, erregen…
Und wie sehr einen Worte gefangen nehmen können sieht man an diesem Blog den ich mit liebe verschlinge….