Ich danke Doddo, für diesen Einblick.
Links, rechts, oben, unten, schwarz und weiß. Gegensätze, die stark sind, die klar abgegrenzt sind.
Das war für mich auch so bei den Rollenverhältnissen von Sub und Dom. Ich war Sub, das war gut so, es fühlte sich richtig an, es war klar – und unveränderlich. Das dachte ich zumindest. „Ich bin Sub und ich kann nichts anderes sein, nieniemals nicht im Leben“
Oben zu spielen, mh. Mal ganz abgesehen davon, dass ich daran keinen Spaß haben könnte (Wie bitte, Menschen wehtun? Sie erniedrigen? Nene.), es würde doch gar nicht klappen. Ich kann nicht dominant sein, ich bin viel zu jung dazu. So waren meine Gedanken damals.
Naja, und dann bewies der Spruch „Sag niemals nie!“ dass er durchaus wahr sein kann.
Es fing an mit einem klitzekleinen Kopfkino. „Wie wäre es denn, mal jemanden zu fesseln und dann ein wenig zu ärgern…“ – nichts drastisches also. Ich muss zugeben, dass dieses Kopfkino durch einen Menschen ausgelöst wurde, der…nunja, gern Menschen dazu verleitet, ihm wehtun zu wollen. Auf positive Art und Weise, zumindest meistens. Dieses Kopfkino packte mich und ließ mich auch nicht mehr los. Langsam, aber sicher, wurde ich Switcherin. Ich wollte beides haben, oben und unten, beides ausleben.
Das tat ich dann auch.
Mein erstes Spiel, bei dem ich alleine oben gespielt hab, ohne einen „erfahrenen“ dominanten Part an meiner Seite, liegt jetzt bald zwei Jahre zurück und ich erinnere mich heute noch, wie unglaublich nervös ich war. Die Angst, alles zu versauen war unglaublich groß. Aber: Es hat funktioniert, ich war wohl doch irgendwie authentisch
Mein Kopfkino danach war nicht mehr klein sondern sehr ausgeprägt und beherrschend. Ich wurde es einfach nicht mehr los. Und mit der Zeit verdrängte es irgendwie das Sub-Kopfkino. Ob leider oder nicht, kann und will ich gerade nicht beurteilen. Unten spielen ist für mich gerade nicht interessant, es passt nicht zu mir.
Daraus, dass ich nur noch Dom sein wollte, ergaben sich natürlich gewisse Komplikationen, es ist ein großer Umbruch im Leben und mein Partner war eigentlich auf mein Sub-Dasein eingestellt. Deswegen war es schwer für mich, ihm und auch mir einzugestehen, dass Sub nicht drin ist gerade. Es ist sehr verstörend gewesen, nicht mehr die Wünsche meines Freundes erfüllen zu können und natürlich hat unser Sexleben darunter gelitten. Glücklicherweise konnte ich dann irgendwann irgendwie darüber reden, dass es gerade nicht so toll ist – und mein Freund hat mich aufgefangen und trotzdem behalten.
Jetzt, nach all den Wirrungen und Irrungen, bin ich noch immer dabei, mich zu finden. Es klappt besser und besser
Ich bin selbstbewusster geworden, was mich angeht und was mein Spiel angeht. Mein Kopfkino beherrscht mich nicht mehr, aber ich lebe meine dominante (und vor allem sadistische *g*) Ader voll aus. Manchmal mehr, manchmal weniger aber immer so, dass es mir reicht. Auch auf Parties freue ich mich, wenn mein Spielpartner sich mir unterwirft und ich kann mit der Situation umgehen, ohne mir größere Patzer zu leisten. Meistens.
Was für mich wichtig war auf meinem Weg (der noch lange nicht beendet ist): Ich bin Mensch, ich habe Fehler und Schwächen. Und ich kann auf keinen Fall immer und überall souverän sein – aber das will und muss ich ja auch gar nicht. Meine Spielpartner wissen das, sie akzeptieren es und wir lachen viel zusammen. Mein Bild davon, dass dominante Frauen mindestens 40 und bierernst sein müssen ist gründlich korrigiert worden, auch durch Freundinnen, die ebenfalls oben spielen wollen. Und wenn ich mal wieder überrollt werde von meinen Neigungen – dann geh ich halt in die Badewanne und ruh mich ein wenig aus von den Anforderungen des Lebens innerhalb und außerhalb meiner Sexualität.
Ich finde es lieblich, nicht der einzige zu sein der diesen Weg gegangen ist und ihn auch genossen hat
Ich meine – sich darauf einzulassen, der Neugier seinen Lauf zu lassen und ihr einfach mal nachzugeben war glaube ich bei Dingen, die jemandem potenziell so schöne Gefühle schenken, schon immer eine wundervolle Idee.
Ich finde auch, dass “die andere Seite mal kennenlernen” sehr fein für das Spielen auf der Seite, auf der man sich selbst heimisch fühlt, ist. Man ist dem anderen Näher, kennt Unsicherheiten und kann sie besser einschätzen – und wenn man sich so zum Switch entwickelt – warum nicht? Um so schöner
#Abwechslung
Du sprichst mir aus der Seele! Genau so ging es mir, nur dass mir von Anfang an klar war, dass ich auch mal oben spielen will, ich nur in der ersten Zeit nie die Gelegenheit dazu hatte. Und als ich es dann angefangen habe, wurde das Kopfkino immer stärker und mittlerweile fühle ich mich einfach komplett als Switch mit mehr Hang zum Sadismus^^.
*gg* Doddo wird sich freuen, denn dies ist nicht meine Erfahrung. Und Sadismus hat Doddo zu Genüge in sich!