Als ich diesen Blog angefangen habe, hatte ich mir geschworen ehrlich zu sein, einen Spiegel meiner Seele zu gestalten. Nun habe ich mich aber doch dabei ertappt, mich in meinen eigenen “was, wenn”-Gedanken einzusperren. Was, wenn meine Leser meine Reaktionen, Gefühle und Ansichten langweilig oder albern finden? Was, wenn es doch keinen interessiert? Was, wenn ich flasch liege? Was, wenn…
Nun weiß ich es. Die Antwort ist so klar und einfach, wie sie nur sein kann. Was, wenn es mir einfach egal ist? Ich zwinge niemanden meine Worte zu lesen. Und noch viel wichtiger – ich bin keinem ausser mir selber rechenschaft schuldig. Und so soll es auch bleiben.
Deswegen packe ich mal ein Thema an, was sich selbst für mich, als undurchdringbares Gestrüpp an widersprüchlichen Emotionen darstellt.
Spiele spielen.
Und damit meine ich nicht gerade die neuste Version von Monopoly oder Phase 10. Ich rede von dem Leder in meinem Leben – von BDSM. Ich behaupte weitläufig immer wieder devot und etwas masochistisch angehaucht zu sein. Und dennoch mag mir das keiner glauben. Der Grund ist so klar wie Kloßbrühe. Ich bin nett ausgedrückt, schwierig. Ich sehne mich danach unterworfen und beherrscht zu werden. Nach jemanden der mich mit seinem Blick zum Zittern bringt und mich nach Luft schnappen lässt. Und trotzdem kann ich nicht loslassen. So sehr wie mich das Verlangen nach BDSM quält, um so mehr quält mich die Furcht, nicht mehr respektiert zu werden, sollte ich diesen “niederen” Gelüsten nachgeben. Hinzu kommt die Angst vor mir selber, vor der Möglichkeit nicht mehr aus der Rolle raus zu kommen. Ich will mir nicht aberkennen lassen, dass ich mein Leben auch ganz gut ohne einen dominanten Partner an meiner Seite bewältigen kann. Ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen und weiß grundlegend, was ich vom Leben erwarte. Ich meistere Rückschläge und Hürden für mich selber. Ich brauche niemanden, der mir meinen Lebensweg vorkaut. Und so oft wie ich auch wiederholen mag, dass ich auf die Meinung der Menschen keinen Wert lege, so lege ich doch irgendwie erheblichen Wert darauf, dass alle Wissen, das ich nicht devot bin, weil ich alleine nicht Leben kann.
Eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Ich kann so gut alleine Leben, das es mir schwer fällt BDSM zu leben. Ich habe mich 24 lange Monate darauf eingestellt alleine zu sein. Ich habe mich daran gewöhnt, dass es keinen interessiert, wann ich wo bin. Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass jeder Mensch, der nun versucht einen Platz an meiner Seite einzunehmen, mir wie ein Fremdkörper vorkommt. Wie ein Klotz am Bein. Plötzlich will jemand wissen, mit wem ich chatte und telefoniere. Wem ich meine Gedanken und Gelüste anvertraue. Für was ich mein Geld ausgebe und warum ich nich die Linken wähle.
Natürlich weiß ich in meinem Kopf, dass das albern ist, dass zur Unterwerfung Stärke gehört. Aber in mir tobt ein aufgepeitschtes Meer an Gefühlen. Untwerfung – ja, aber nicht zu jedem Preis. Und sollte der Preis meine Selbstständigkeit sein, dann lieber doch nicht. SM, oder besser BDSM, ist für mich ein romantisches Spiel, dass sich auch gerne mit leisen Elementen in den Alltag wagen darf. Aber BDSM ist vor allem eins für mich – ein Spiel. Und wie ich erst kürzlich festgestellt habe, kann ich nicht spielen, wenn zwischen mir und meinem Spielpartner noch ungeklärte ungereimtheiten im Raum stehen. Ich kann auch dann nicht mehr spielen, wenn man versucht mich im Alltag in meine Sub-Rolle zu zwängen, sobald ich etwas sage, was meinem Spielpartner nicht passt. Denn genau an diesem Punkt spricht man mir ab, was ich unbedingt sein will – ein selbstständig denkender und kluger Mensch zu sein, den und dessen Meinung man respektiert.
Aber selbst, wenn alle Umstände passen, ist spielen nichts, was mir leicht fällt. Der Weg in meine Rolle führt über einen Übungsparcours der US Seals. Ich kann nicht einfach umschalten. Irgendwie ist die Fernbedienung dafür, auf dem Weg zu mir verloren gegangen. Vielleicht denke ich zu viel. Nein nicht nur vielleicht – ich denke zu viel. Es muss irgendwie einfach alles passen. Der Moment, die Umgebung, die Stimmung. Ein wahnsinnig hoher Anspruch, für ein bischen Spiel und Spaß. Noch nie in meinem Leben ist mir ein “Ja Herr” oder “Danke Herr” über die Lippen gekommen, ohne das ich es lächerlich fand. Noch nie konnte ich vor jemanden auf die Knie sinken und es dabei ernst meinen. Ich weiß nicht woran es liegt. Aber noch ist der Knoten nicht geplatzt.
Ich träume davon gezwungen zu werden. Zu spüren, dass ich alles für einen Menschen bin, aber jetzt alles, woran er denkt, das Spiel mit der Macht über mich ist. Ich will seine Lust spüren und in seinem Blick verloren gehen. Ich will mich im Netz seiner Worte verheddern und süßen Schmerz auf meinen Lippen schmecken. Ich will, dass er mir unanständiges ins Ohr raunt und mir das gefühl gibt, hilflos zu sein. Ich will mich fallen lassen und bedingungslos vertrauen.
Aber wenn ich meine eigenen Worte lese, fällt mir selber nur eins ein: Wunschzettel-Subbi. Für jeden der sich jetzt fragt, ob ich zu viele kitschige SM-Romane gelesen habe – ja habe ich. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich ja zuletzt.
ich glaube nicht das du eine "Wunschzettel-Subbi" bist. Das was du beschreibst gehört zu dir und muss auch so sein, denn auch als Sub darf man sich nie selbst auf geben, das dienen ist ein Geschenk an den Dom das du aus freien Stücken schenkst und nicht weil du dazu gezwungen wirst.